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Unter den Dual-Fans gilt das C844 als das Flagschiff von allen Dual-Cassettendecks. Anfang 80er erschien die "Champagner-Serie" genannte Reihe anhand ihrer Gehäusefarbe, wo das C844 das Spitzenmodell stellte. Es war für seine Zeit üppig ausgestattet. Neben Dolby B und C hatte es einen getrennten Aufnahme-/Wiedergabekopf mit echter Hinterbandkontrolle, Fadeeditor, Musiksuchlauf und als Besonderheit eine wählbare doppelte Bandgeschwindigkeit von 9,5 cm/s. Sechs Bandsorten konnten gewählt werden, neben jeweils zwei Varianten für Eisenoxyd und Chrom waren auch Ferrochrom und Metall möglich. Eine variabel einstellbare Vormagnetisierung von aussen war jedoch nicht vorgesehen. Neu auch das vierstellige, elektronische Zählwerk, welches auch eine Memoryfunktion bot. Die Anzeigen waren zwar noch analoge VU-Meter, aber unterstützt durch eine vierstufige Peak-Anzeige per LED. Im Innern waren zwei Hauptplatinen übereinander angeordnet, 8 Dolbybausteine, und viele Bauteile. So kam auch ein stattliches Gewicht für das Flaggschiff zusammen. Ein Motor steuerte den Doppelcapstan über einen gemeinsamen Riemen an, ein zweiter Motor besorgte den Bandwickel beim Aufnahme-/Wiedergabebetrieb. Spulen geht per Idler über die Capstanschwungmassen. Der Hub der Kopfschlitten geht über Elektromagnete.

Das C844 macht schon den Eindruck einer kleinen Bandmaschine. Saubere, präzise Abläufe in der Laufwerkssteuerung unterstreichen den Eindruck zusammen mit der edlen Champagner-Optik. Dual wollte hier noch einmal Maßstäbe setzen. Wie die kleineren Geräte noch ein Europa konstruiert, aber in Japan gefertigt, wollte man der geballten japanischen Konkurrenz paroli bieten. So lief das 844 auch klanglich mit den stärksten Konkurrenten aus seiner Zeit auf Augenhöhe.

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Doppelcapstan und Dreikopfbestückung waren damals "State of the art".

 

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Der Tonkopf nocheinmal näher.

 

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Reichhaltige Ausstattung auch im Innenleben. Linke Hälfte das Netzteil und Steuerelektronik, rechts der Aufnahme- Wiedergabeverstärker, darunter die Rauschunterdrückungsplatine. Die kleine Platine rechts oben birgt den Ein- und Ausgangsverstärker, sowie den Empfindlichkeitsabgleich für die VU-Meter.

 

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Die Boards von unten. Auch das Gehäuse ist mehrteilig, in sich stabilisierend gefertigt.

 

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Nun ging es an die Zerlegung. Als erstes war ein Riementausch im Laufwerk angesagt. Zudem rutschte der Bandwickel beim Spulen vor- wie rückwärts druch.  Dazu muß nun das Laufwerk zunächst ausgebaut werden.

 

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...wie hier geschehen, eine Menge Kabel sind daran verbunden.



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Schon beim Einblick seitlich ins Laufwerk offenbart sich die Ursache für den durchrutschenden Bandwickel. Der Idler, der jeweils von einer der Capstanschwungmassen angetrieben wird, ist völlig verölt. Da hat es ein früherer Servicetechniker mal wohl sehr gut gemeint...

 

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....nach einer Reinigung war der Ölfilm vom Gummi weg und das Spulen lief wieder einwandfrei.

 

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Das Laufwerk geöffnet. Die Capstanschwungmassen sind sehr ordentlich dimensioniert. Der zweite Motor rechts treibt über einen eigenen Pulley über Transmission und Idler den linken Bandwickel an. Der Linke Motor mit dem Messingpulley ist der Capstanmotor.

 

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Hier sehen wir noch einmal den Idler für das Bandspulen näher. Er wird zum Spulen über zwei Relais auf die jeweils notwendige Schwungmasse gedrückt.

 

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Hier die Motorenwand, links der Capstanmotor, rechts unten der Wickelmotor. In der Mitte oben die drei Schaltbügel, welche jeweils von einem Relais angezogen werden. Die Äusseren für das Spulen und Bandwickel, der mittlere hebt die Kopfeinheit.

 

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Die beiden Schwungmassen samt Capstanachsen wurden zur Überprüfung ebenfalls abgezogen. Im Gegensatz zu einigen japanischen Konstruktionen sind hier die Schwungmassen gleichartig.

 

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Die Achsen zeigen keinerlei Laufspuren und sind noch sehr gut erhalten.

 

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Frontseite ohne Schwungmassen.

 

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Das Messingpulley des Capstanmotors wird durch eine Madenschraube fixiert.

 

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Nachdem der neue Riemen und die beiden inneren Hilfsriemen aufgelegt wurden, geht es wieder an den Zusammenbau.

 

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Auch die Frontblende des Laufwerks mußte noch abgenommen werden.

 

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Hier sehen wir den Riemen für das Zählwerk und Bandlaufüberwachung. Durch einen Ringferritkern wird ein Hallsensor angesteuert. Bei einer detektierten Frequenz ist alles ok, bleibt der Wickel stehen, wird keine Frequenz mehr detektiert und die Steuerung löst den Bandlauf aus.

Der kleine Messingpulley rechts am rechten Bandwickel treibt diesen bei Aufnahme- Wiedergabe, die beiden mittleren Räder den Spulbetrieb.

 

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Die beiden Bremsen aus Metall werden von den beiden äuseren Relais gehoben, der Bandwickel hat einen Gummireifen.

 

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Anscheinend wurde das Laufwerk wegen eines schwer findbaren Problems zuvor schon recht oft aus- und wieder eingebaut. Davon zeugen die drei Kabelanschlüsse des Bandlaufsensors, die Kabel sind fast abgebrochen.

 

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Sie wurden neu abgesetzt und verlötet.

 

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Die Gegendruckfeder des Bandwickels kann schon mal eine ärgerliche Quelle von Quietschgeräuschen sein.

 

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Ein weiterer, zu behebender Mangel war, das die grüne LED der Bandgeschwindigkeitswahl nicht mehr ausgehen wollte, sie soll nur bei 9,5cm/s leuchten. Da andere Fehler auszuschließen waren, wurde der Durckschalter als Überletäter ausgemacht. Um ihn reparieren zu können, muß man ihn aufwändig ausbauen, da wäre als nächstes die Aufnahme- Wiedergabeplatine hochzuklappen und dann die Front teilweise zu demontieren.

 

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Nun wird der Schalter geöffnet. Der Problemkontakt ist die Wechsler-Gruppe vorne links.

 

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Der linke Wechslerkontakt wurde beim Schalten nicht weit genug nach vorn bzw. hier links verschoben und dadurch blieben alle drei Kontaktpins gleichzeitig beschalten, daher leuchtete die grüne LED permanent.

 

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Zunächst wurden die Kontaktpins etwas weiter voneinander separiert...

 

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...und dann der Anschlag weiter nach vorn geführt...

 

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....so dass die Kontaktlage wieder eindeutig wie einwandfrei stand.

 

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Die ausgebaute Schaltergruppe mit dem wieder reparierten Schalter, welcher nun wieder montiert wird.

 

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Fertig zum Wiedereinbau.

 

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Die Schaltergruppe wieder an ihrem Platz.

 
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Das hochgeklappte Aufnahme- Wiedergabeboard.

 

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Die Relais scheinen bei den Dualdecks der Champagnerserie etwas anfällig für Kontaktkorrision zu sein, welches schon beim C826 auffiel. Hier ist es das Relais, welches den Tapemonitor bei der Aufnahme zwischen Vor- und Hinterbandkontrolle umschaltet. Das Vorbandsignal hatte hierdurch starke Pegelschwankungen. Nach Reinigung der Kontakte ging es wieder. Nun konnte es ans Einmessen gehen.

 

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Das fertige Dual C844

 

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 In den Aussparungen links und recht befinden sich je eine Lichtschranke, greift man auch während des Abspielens die Cassette, wird der Bandlauf umgehend gestopt und ausgelöst. Eine für damalige Zeit einzigartige Innovation.

 

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Mit Fremdlicht sind auch die VU-Meter gut ablesbar. 0dB beziehen sich hier auf den Dolbypegel.

 

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Doch auch ein klein wenig Kritik.
Das vierstellige Zählwerk ist leider nicht mit den damals noch üblichen dreistelligen mechanischen Zählwerken kompatibel, welches das Auffinden von Bandstellen von fremdbespielten Cassetten erschwerte. Zudem wird es mit jedem Abschalten des Decks auf 0 zurück gesetzt.
Bei einem Dreikopfgerät wäre eine variable BIAS-Einstellung auf der Frontseite hilfreicher gewesen, um noch mehr Bandsorten optimal einstellen zu können. Die Aussteuerungsanzeigen sind zwar schön in grün hinterleuchtet, nur die weißen Zeiger jedoch nicht. Man muß sich ohnehin eher auf die Peakanzeigen verlassen, die jedoch nur in Mono ausgelegt sind.

Alles in allem sind das aber keine schwerwiegenden Einschränkungen, die dem Gesamterscheinungsbild keinen Abbruch tun, doch ein so fast perfektes Deck weckt auch weitere Wünsche...

 

Frequenzgänge

Frequanzgänge Dual C844_1

Frequanzgänge Dual C844_2

Frequanzgänge Dual C844_3

Frequanzgänge Dual C844_4

 (Messungen ab 1kHz)

Klanglich kommt es mit fast allen gängigen Cassettentypen zurecht. Selbst die Überhöhung im Bereich von 20kHz werden nicht als "höhenbetont" empfunden, lediglich der Brillianzbereich ist hier verstärkt. Die oberen Enden der Frequenzgänge laufen hier schön sanft aus. Klanglich empfindet man das C844 als sehr gut und nur marginal von der Quelle entfernt. Es lassen sich sehr hochwertige Aufnahmen damit machen.

 

Technische Daten (Werksangaben)

Type: 3-head, single compact cassette deck

Track System: 4-track, 2-channel stereo

Tape Speed: 4.75, 9.5 cm/s

Heads: [1 x record 1x playback], 1 x erase

Tape Type: type I, FeCr, Cr02, Metal

Noise Reduction: B, C

Input: 100mV (line)

Output: 0.58V (line)

Accessories: remote control