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Instandsetzung und Feintuning eines Yamaha KX-670

Nachdem ich ein wenig Probleme mit dem Kenwood KX-7030 hatte, die automatische Bandeinmessung bekommt einige schwierige Cassetten nicht so gut eingemessen, habe ich mir unseren Yamaha KX-650 mal näher angeschaut und eingemessen. Dieser hat keine automatische Bandeinmessung, aber einen manuellen Biasfeinregler, mit dem man nahezu alle Bandtypen gut aufnahmeseitig entzerren kann, auch alte BASF Ferrocassetten wie die kritischen Zweischichtbänder SA-X und XL-IIS.

Das hatte mich wieder ermutigt, dann das Nachfolgemodell für die andere Anlage zu testen, das KX-670. Dieses hat neben dem BIAS-Feinregler auch eine automatische Bandeinmessung, im Gegensatz zum Kenwood sogar mit drei Frequenzen, 125Hz, 3kHz, 10kHz. Ich hatte mir ein Gerät in der Bucht geschossen. Es hat zwar ein paar kleine Kratzer, ansonsten war es nur ziemlich verdreckt.

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Anscheinend stand das Cassettenfach monatelang offen, sogar ein vertrocknetes Blatt einer Zimmerpflanze liegt da immer noch drin...

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..also mußte ich erstmal das Laufwerk ausbauen, um es vernünftig reinigen zu können. Ein vorheriger Testbetrieb mit einer alten Cassette zeigte, das alles richtig funktioniert.

 

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Die aktive Welle hat eine deutlich größere Schwungmasse, die sogar deutlich größer als beim Vorgänger KX-650 ist. Links der Hubmotor , rechts der Antriebsmotor. Der Wickelmotor befindet sich optisch hinter der kleinen Platine. Einziger Nachteil: Die Yamahadecks lassen den Antrieb mit Einschalten des Netzschalters permanent laufen. Man sollte das Gerät also nicht allzulang unbenutzt eingeschalten lassen. Schont den Antrieb.

 

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Das ausgebaute Laufwerk von vorn.

 

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Die noch verschmutzte Kopfeinheit. Die beiden Andruckrollen sind hier bereits gereinigt und waren zuvor mit einer bräunlichen Abriebschicht versehen.

 

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Hier nun gereinigt.

 

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Die Wickelzahnräder habe ich noch mit ein wenig Vaseline bestrichen, langfristig schont das etwas das Material. Auch die Wellen, die in Sinterbuchsen (welche wieder in Messinghülsen sitzen) laufen, bekamen einTröpfchen Öl. Später habe ich noch alles entmagnetisiert.

 

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Der alten Riemen hatte nur noch mäßige Spannkraft.

 

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Hier nocheimal die beiden Capstanwellen mit ihren Schwungmassen. Orientierung von der Rückseite her. Zunächst die kleinere Schwungmasse, die den Bandzug von den Reibeigenschaften des Cassettengehäuses isoliert, dann die große Schwungmasse, die für den eigentlichen Gleichlauf sorgt.

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Der alte Riemen ist deutlich länger, der neue paßt so gelegt in den alten. Das Faltmaß des neuen beträgt 105mm.

 

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Auch sind die Schleifspuren durch den erzwungenen Schlupf zwischen beiden Schwungmassen über die Jahre deutlich zu erkennen. Oben alter Riemen, unten neuer.

 

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Der alte Riemen ist auch verhärtet, er sackt unter seiner eigenen Last weniger ein als der neue.

 

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Der neue Riemen sitz sehr gut. Er muß kurz vor dem Aufsetzen des Rückteils mit Motoren in den Motorpulley eingehangen werden.

 

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Motorpulley aus Messing. Das obere Motorlager bekam bei der Gelegenheit auch gleich noch ein Tröpfchen Öl.

 

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Da das Geäuse Pulleyseitig nur knapp ausgeschnitten ist, mußte ich vor Zerlegung des Motors den Pulley abziehen.

 

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Der Kollektor ist nach kurzen Abwischen mit einem Tuch noch völlig intakt.

 

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Die Motorwicklungen sehen noch einwandfrei aus.

 

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Hier das Kunststoffinlay bürstenseitig, man sieht, die Bürsten stehen etwas auseinander. Beim versehentlich anheben des Kunststoffinlays wurden die Bürsten von der Trennscheibe der Achse verbogen und hatten keinen richtigen Kontakt mehr. Mit einer feinen, spitzen Pinzette habe ich die Büsten wieder in Form gebogen und alles wieder vorsichtig montiert.

 

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So das Problem mit den sporadischen Jaulern scheint nun eindgültig gelöst.

Ich habe nach einigen Ermittlungen wie eigenen Überlegungen den Motorregler als Verdächtigen eingekreist. Die Motorregelung ist im Gehäuse des Capstanmotors integriert und nicht einzelen erhältlich. Daher ist sie auch in den Serviceunterlagen undokumentiert. Herankommen tut man, in dem man den Deckel vom Motorengehäuse entfernt. Da findet man eine kleine, runde Platine mit ein paar Bauteilen drauf. Das große Teil, welches wie ein Transistor mit 4 Beinen aussieht, ist der Motorregler.

Ein Teil der Leiterbahn hat man großflächig als "Kühlblech" ausgelegt, welches auf Masse liegt. Der LM1470 ist demnach etwas temperaturempfindlich, besonders im gealterten Zustand, das erklärt auch, warum die Aufnahmen in wärmerer Umgebung häufiger zu Jaulern neigten. Pin 3 ist auf Masse und zugleich breiter ausgeführt, demnach wird hierüber auch die Temperatur abgeleitet. Aus Platzgründen hat man keines der üblichen Kühlbleche verbaut. Um die Kühlung aber vorsorglich zu verbessern, habe ich mir ein wenig was einfallen lassen. Ich habe noch aus alten Modellbahnzeiten einige Kleinmaterialien, so auch schmale Bronzebänder, die als Kontaktschleifer gedacht waren. Davon habe ich ein Stück umgearbeitet, auf PIN 3 gelötet und das andere Ende berührt den ebenfalls auf Masse liegenden Abschlußdeckel des Motors. Durch die anfedernde Berührung verspreche ich mir etwas Wärmeableitung, so daß der Regler nicht mehr so schnell altern sollte. Im Deckel ist eine schallisoliernde Gummieinlage, die ich im Bereich der Berührung mit dem Bronzeblech ausgeschnitten habe.

 

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Den neuen Regler mußte ich aus England bestellen, da in Deutschland dieses Teil keiner mehr vorrätig hat und wird auch auf anderen Onlineshops als Auslaufteil (nicht mehr hergestellt) geführt.  Diese Motorregler sind integrierte Schaltungen, die mittels Puls- Komperatorabgleich den Gleichtrommotor regelt. Das Poti stellt die Geschwindigkeit ein.

 

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Die Platine ist an zwei Kontaktlaschen eines Kunststoffinlay verlötet, welche auf der anderen Seite die Bürsten des Motors tragen.

 

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Die Platine ist wieder eingelötet.

 

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Zum Wiedereinbau wurden die Capstanwellen ein wenig nachgeölt. Die Ölabscheiderscheibe habe ich nicht ganz angedrückt (hier auf "halben Wege") um keine zusätzliche Reibung zu erzeugen.

 

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Als letztes habe ich wieder das Abdeckblech montiert. Das Cassettenfach ist leider nicht mehr beleuchtet, hier hat man lediglich eine gelbe Flouroszenzfolie aufgeklebt.  Man muß sich ganz auf das Bandzählwerk verlassen. Nun kann das Laufwerk wieder montiert werden.

 

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Ärgerlicher Konstruktionsmangel: Die Bolzen am Kunststoffcassettenfach schleifen sich in ihrer Blechhalterung mit der Zeit ab. Als Folge steht das Cassettenfach wegen der Andruckfeder etwas schief. Das sieht man früher oder später bei allen KX-670. Dies fiel mir auch auf Bildern anderer Geräte diesen Typs auf. Die Bolzen haben das ungünstige Maß von 3,5mm Durchmesser, sind also nicht mal eben durch welche aus Metall ersetzbar.

 

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Das Display hatte ein paar kleine Kratzer...

 

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...welche mit Einsatz von Xerapol schnell verschwunden sind.

 

In der Elektronik haben ich die Koppelkondensatoren überarbeitet, welche ausschließelich als Elko ausgeführt sind. Kleinere Werte bis 10µF habe ich direkt gegen einen Folientyp von WIMA getauscht, größere Werte wurden mit Folientypen gebrückt. Klanglich hat diese Maßnahme das Deck noch mal deutlich nach vorn gebracht.

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Zu Guter letzt wurde das KX-670 komplett neu eingemessen. Dazu gehören Geschwindigkeit, Azimut (Kopfstellung), Wiedergabe- und Aufnahmepegel sowie die Vormagnetisierung. Erst dann kann das Gerät seine klanglichen Fähigkeiten voll entfalten. Schon mit einer einfachen TDK-SA ist ein Unterschied bei Schallplatte zwischen Vor- und Hinterband kaum noch auszumachen, bei SA-X geht der Unterschied gegen 0.

 

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 Fertig.

 

 

Kürzlich war ein weiteres KX-670 auf meinem Tisch, diesmal in schwarz.

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Probebetrieb des Laufwerks

 

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Yamaha KX-670black

 

Yamaha KX-670black

Viele der Elkos, besonders in den Koppelzweigen, wurden gegen hochwertige Folienkondensatoren getauscht.

 

Yamaha KX-670black

 

Yamaha KX-670black

 

Yamaha KX-670black

 

Yamaha KX-670black

 

Yamaha KX-670black

Bei der Messung war der rechte Kanal noch nicht optimal justiert...

 

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Yamaha KX-670black

...hier dann aber richtig und damit nahezu deckungsgleich mit dem Linken im Pegel. Der -3dB-Abfall war bei allen gemessenen TypII-Cassetten bei 21,5 kHz. Die Werte liegen damit über den Werksangaben. Die "Fransen" an den Kurven sind softwarebedingt. Gemessen wurde mit einem Sinuston ab 100 Hz.

 

Features

Produziert wurde das KX-670 1993 und blieb bis 1995 im Katalog von Yamaha. Es  bekam von Yamaha für seine Autoeinmessung sogar drei statt bisher zwei Frequenzen zum Einmessvorgang spendiert. Ferner eine deutlich schwerere Schwungmasse für den Primärcapstan und eine Andruckbedämpfung, die das Modulationsrauschen durch  Eigenschwingungen der Cassettengehäuse beim Betrieb vermindern sollen. Eingespart wurde hingegen eine Beleuchtung des Cassettenfachs. Wie alle anderen Modelle der KX-Reihe kann es mit einer Yamaha-Systemfernbedienung drahtlos gesteuert werden.

Daten (HiFi-Wiki.de)

Allgemein

  • Hersteller: Yamaha
  • Modell: KX-670
  • Typ: Single
  • Baujahre: 1993-1995
  • Hergestellt in: Malaysia
  • Farbe: titan, schwarz
  • Fernbedienung: optional (RS-KX 1)
  • Leistungsaufnahme: 16 Watt
  • Abmessungen: 43,5x13,1x28,3cm
  • Gewicht: 5,2 Kg
  • Neupreis ca.: 650,- DM


Anschlüsse

  • Anzahl der Eingänge:
    • Line
  • Anzahl der Ausgänge:
    • Line
    • Kopfhörer


Technische Daten

  • Tonköpfe: 3
  • Motoren: 3
  • Gleichlaufschwankungen: ±0,04%/0,07% WRMS/DIN
  • Bandarten: Typ I, II, IV
  • Frequenzgang:
    • Typ I: 20 - 18000 Hz ±3 dB
    • Typ II: 20 - 19000 Hz ±3 dB
    • Typ IV: 20 - 21000 Hz ±3 dB
  • Klirrfaktor: < 0,8%
  • Signalrauschabstand: > 60 dB,76dB bei Dolby C
  • Auto-Reverse: nein
  • Titelsuchlauf: Ja
  • Dolby: B/C
  • MPX-Filter: schaltbar
  • Fader: Ja
  • Pitch-Kontrolle: nein
  • CD-Synchro-Aufnahme: nein


Besondere Ausstattungen

  • Dual-Capstan-Antrieb
  • Timer-Schalter
  • Titelanspielautomatik
  • automatische Bandsortenumschaltung
  • Zählwerk-Memory
  • Echtzeitzählwerk
  • Repeat Segment und Gesamt
  • 2 Umspulgeschwindigkeiten
  • HX Pro
  • Einmeßcomputer
  • Bias-Regler
  • Play-Trim
  • Pegel des Kopfhörerausgangs regelbar