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Es begann alles mit dem KX-650. Begeistert von der überzeugenden Qualität kaufte ich ein Yamaha KX-670 nach, welches auch einen Einmeßcomputer besaß. Doch blieben ein paar Dinge, die mich noch nicht so recht befriedigten. So gefällt mir das Design in Details beim KX-650 besser. Mir fehlt beim Yamaha KX-670 das beleuchtete Cassettenfach, auch das Scharnier des Yamaha KX-670 hat Schwächen, die Anfälligkeit des offenbar gealterten Motorreglers und eine nicht immer funktionierende Bandeinmessung. Das brachte mich dann zum Vorgängermodell KX-930, aus welchem auch das KX-650 als preisgünstigere Zwischenvariante abgeleitet wurde.

Das KX-930 sieht von außen schon fast Yamahatypisch eher unscheinbar aus. Es folgte dem Spitzenmodell KX-1200 und war das erste Topgerät im neuen Titansilberdesign Anfang 90er. Es wurde 1990 produziert und blieb bis 1992 im Katalog, wo es dann vom Yamaha KX-670 als neues Spitzenmodell abgelöst wurde. Doch im Gegensatz zu seinem Nachfolger wurde hier noch nicht der Rotstift geschwungen, das sieht man an der deutlich aufwändigeren Verarbeitung und Bestückung. Hier wurde noch vieles diskret aufgebaut, statt in kleine ICs zu quetschen, die Dolbyeinheit ist mit großen Bausteinen auf einer separaten Platine ausgeführt und die beiden Generatoren für die Meßfrequenzen sind diskret aufgebaut und sogar im Pegel justierbar. Etwas umständlich scheint mir doch die Aufnahmepegelregelung mir zwei kleinen Pegelstellern und einem sog "Masterfader". Da hat man sich beim Nachfolger ein Poti gespart und einfach zwischen Pegel und Balance unterschieden. Die Anzeige ist zweifarbig ausegführt, ein angenehm erscheinendes Bernsteingelb mit in rot gehaltenen Ergänzungen. Gefällt mir persönlich besser als das sonst typische Flourosenzblau anderer Geräthersteller. Yamaha verwendet hier LCD-Technik, die von zwei kleinen Glühbirnchen gleichmäßig hinterleuchtet wird.

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Meist werden schwarze Gehäusevarianten angeboten, das hier vorhandene Titansilber schon seltener. Allerdings wird das KX-930 wohl auch eher geschätzt, da der Preis etwas höher im Schnitt liegt als beim KX-670. Leider erwischte ich ein Exemplar, welches äußerlich einige Gebrauchsspuren aufweist, obwohl es vom Verkäufer mit "guter, gepflegter Zustand" beworben wurde. Die Macken sind aber noch tolerabel und teils ausuzbessern. Der Gehäusedeckel ist von Spuren eines anscheinend jahrelang angeklebten Klebebandes gezeichnet und hat viele Kratzer, hier muß ich wohl neu lackieren. Mit dem Gerät wurde offenbar wenig pfleglich umgegangen und eher herumgeschubst. Das Innenleben zeigte sich dagegen von deutlich besseren Zustand, es sind keine Verschleißmängel erkennbar, auch die Kopfspiegel sehen noch sehr gut aus, der Antriebsriemen noch im gut brauchbaren Zustand. Das veranlaßte mich dann dieses Gerät doch zu behalten und zu überarbeiten.

 

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Während der Gehäusedeckel an der anderen Seite eine Beule hat und an den kanten verkratzt ist, oben noch Klebereste hat, ist hinten dran noch etwas von der originalen Schutzfolie dran geblieben. Was waren das nur für Besitzer?

Ein Blick auf die Elektronik zeigt die Bauteilevielfalt. Sogar die Bandsorten sind in der BIAS-Grundeinstellung einzeln justierbar. Bei Metall allerdings leider nur eingeschränkt, für eine TDK-MA konnte ich selbst bei Minimum-BIAS keinen befriedigenden Frequenzgang hinbekommen, dazu später noch mehr.

 

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Eine Überarbeitung will gut vorbereitet sein...

 

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Das Laufwerk

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Das Laufwerk hat einen Doppelcapstanantrieb mit zwei an den Laufflächen mattierten Achsen, wobei die Hauptachse links geringfügig dicker ausgeführt ist. Damit wird der Bandzug über den Köpfen auf leichte Spannung gehalten, was den Andruck verbessert.

 

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Der Antriebsriemen, frisch müßte er 75mm Durchmesser haben, aber auch hier ist die Spannkraft noch ausreichend gut.

 

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 Die linke Capstanwelle mit Schwungscheibe

 

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Die rechte Capstanwelle mit Schwungscheibe, die Welle ist etwas dicker ausgeführt...

 

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Das Laufwerk im wieder zusammen gebauten Zustand von der Seite her gesehen. Man sieht rechts unten den kleinen Hubmotor. Der Capstanmotor hat eine kleine Ölung am Pulleylager bekommen, ebenso wie die beiden Capstanlager.

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Hier der Kopfspiegel auf dem fast kein Verschleiß erkennbar ist.

 

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Das innere Abdeckblech im Laufwerksschacht von hinten mit LED-Beleuchtung, welche man sich beim Nachfolger KX-670 schon gespart hatte.

 

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Ein Montagekunststoffteil für die Hauptplatine. Dieses wurde natürlich noch vor der Endmontage hergestellt und gibt einen Hinweis auf das Herstellungsdatum, welches wohl nur kurze Zeit später als der hier zu sehende 20.04.1990 war.

Der Umbau beinhaltete den Austausch der Elkos in den Signalkopplungszweigen gegen Folienkondensatoren von WIMA, die noch einen kleinen Schichtkondensator auf der Unterseite zusätzlich erhielten

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Auch die hier separate Dolbyplatine hat 6 Koppel-Cs.

Dann ging es ans Einmessen.

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Die Bandgeschwindigkeit paßte mit etwas nachstellen, mit Abweichungen von etwa +-5Hz. Das Justieren ist allerdings eine recht fummlige Sache, da man mit einem Uhrmacherdreher kaum so feine Drehungen machen kann.

 

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Dann kam die Azimutheinstellung mit einer BASF-Azimuthcassette bei 12500Hz. Die Ellipse flappte so vor sich hin und war gut die Hälfte der Zeit zu einer Linie zusammengefallen.

 

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Es macht zusätzlich noch Sinn, sich das Bild als herkömmlichen Sinus anzuschauen, denn dann sieht man den Phasenversatz beidseitig. Bei der Lissajous-Ellipse sieht man nämlich nicht, ob die Abweichungen zwei- oder nur einseitig sind. Hier war schön zu sehen, daß die Phase sehr gleichmäßig in beide Richtungen abweicht, so kann man davon ausgehen, das der Spalt richtig steht.

Nach den Einmessungen zu BIAS-Leakage, REC-Level und BIAS konnte es dann zu einem ersten Hörtest gehen. Die ersten Klangeindrücke schon sehr überzeugend, es war mit einer einfachen TDK-SA bereits ein sehr transparentes und feinzeichnendes Klangbild zu erreichen, das sich praktisch kaum vom Orignal der Schallplatte unterschied. Weder in der Tonalität noch in der Feindynamik. Auch keine Schärfen bei S-Lauten, wenn behutsam ausgesteuert wird. Dazu aber in einem späteren Teil mehr davon. Desweiteren wird es noch ausführliche Messungen zu den einzelnen Bandsorten geben, wie sie sich verhalten und auch einmessen lassen. Immerhin sei schon soviel verrraten, das eine TDK MA gut 24kHz Bandbreite bringen kann...

Mittlerweile habe ich nach einer weiteren Justage und Lackierung des Gehäusedeckels das KX-930 fertig gestellt, es folgen zunächst ein paar Frequenzgänge. Wie üblich habe ich dazu den Visual Analyzer genommen, ab ca. 8kHz mauß man den Frequenzgang aber äußerst langsam durchstimmen, damit es genug Zeitscheiben für die Speicherung der Daten gibt, sonst erscheinen Peaks nach unten. So brauchte ich bis zu ca. 10min pro Schrieb.

 

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Für Type1 habe ich die TDK-AD genommen

 

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Eine alte Chromdioxyd von 1976.

 

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Auch BASF wird beim KX-930 problemlos eingemessen, hier streikt zumeist das Yamaha KX-670. Hier eine LH Super von 1975.

 

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Die TDK MA kommt auf knapp 24kHz.

Ein weiterer Hörtest zeigte vorhin nun auch die Entscheidung zwischen dem KX-930 und dem K-560, welches ich noch mal auf TDK weiter optimiert habe, sprich den Aufnahmepegel noch etwas zurück genommen und den "Buckel" ganz rausgedreht. Als Aufnahme diente wieder Victor Lazlos "She". Die scharfen S-Laute sind schon eine Herausforderung, die vorher noch etwas verzischelten, nach mehr BIAS mit weniger Pegel waren sie beim Yamaha K-560 nun endlich sauber. Das KX-930 klang nach weiterer Abstimmung weicher, feiner, glatter und natürlicher ohne aber weniger Höhenwiedergabe zu haben. Es klingt schon für sich sehr neutral, aber auch im Direktvergleich mit der Aufnahmequelle. Mit einer Maxell XL-IIS sind die Höhen noch ein Tick brillianter, dabei frei von Schärfen.

Auch im Kreuztausch, also die jeweilige aufgenommene Cassette auf dem jeweils anderen Gerät wieder abgespielt behält weitgehend den Aufnahmecharakter. Die Aufnahmen vom KX-930 gefallen da einfach einen Tick besser, wobei das K-560 schon sehr gefällt und beide auf hohen Niveau für ein Cassettendeck spielen. Voraussetzung ist aber stets eine sehr gewissenhafte Einmessung aller Parameter.

Das KX-930 ist ein sehr gutes Deck, von Yamaha noch aufwändig ausgestattet. Die automatische Bandeinmessung funktioniert sehr gut wie zuverlässig, auch mit kritischen Bändern wie die alten Typen von BASF aus den 70ern, wo schon manch andere "Japan-Decks" ihre Schwierigkeiten bekommen. Neben dem KX-1200 ist das KX-930 das beste Cassettendeck von Yamaha, welches ich kenne.

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Hier noch ein Bild vom neu überlackierten Deckel

 

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...und die Standardansicht der Front.

In der Praxis zeichnet sich das Yamaha KX-930 durch seine sehr zuverlässige automatische Einmessung auch von problematischen Cassettentypen aus. Darunter auch die alten Ferro- und Chromcassetten von BASF, die deutlich von der später eingeführten IEC-Norm abwichen. Auch klanglich gibt es nichts zu bemängeln. Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Deck, das zu den besten gehört.

Allgemein (von HiFi-Wiki.de)

  • Hersteller: Yamaha
  • Modell: KX-930
  • Typ: Single
  • Baujahre: 1990-1992
  • Hergestellt in: Japan
  • Farbe: titan, schwarz
  • Fernbedienung: Ja
  • Leistungsaufnahme: 18 Watt
  • Abmessungen: 43,5x12,2x27,5cm
  • Gewicht: 4,9 Kg
  • Neupreis ca.: 1000,- DM


Anschlüsse

  • Anzahl der Eingänge:
    • Line
  • Anzahl der Ausgänge:
    • Line
    • Kopfhörer


Technische Daten

  • Tonköpfe: 3
  • Motoren: 2
  • Gleichlaufschwankungen: ±0,05%/0,08% WRMS/DIN
  • Bandarten: Typ I, II, IV
  • Frequenzgang:
    • Typ IV: 20 - 22000 Hz ±3 dB
  • Klirrfaktor: < 0,7%
  • Signalrauschabstand: > 61 dB
  • Auto-Reverse: nein
  • Titelsuchlauf: Ja, 9 Titel programmierbar (Titelprogrammierung nur mit optionaler FB möglich)
  • Dolby: B/C
  • MPX-Filter: schaltbar
  • Fader: Ja
  • Pitch-Kontrolle: nein
  • CD-Synchro-Aufnahme: nein


Besondere Ausstattungen

  • Dual-Capstan-Antrieb
  • Timer-Schalter
  • Titelanspielautomatik
  • automatische Bandsortenumschaltung
  • Zählwerk-Memeory
  • Echtzeitzählwerk
  • Repeat Segment und Gesamt
  • 2 Umspulgeschwindigkeiten
  • HX Pro
  • Einmeßcomputer
  • Bias-Regler
  • Play-Trim
  • Pegel des Kopfhörerausgangs regelbar